Slaven Skeledzic hatte eine Vielzahl an Bundesligaspielern unter seinen Fittichen, war Trainer in Afghanistan und China und ist seit 2018 Assistenztrainer von Miroslav Klose. Im Interview mit scra.at spricht er über seine bewegte Trainerlaufbahn und den Start in Altach.

Seit eineinhalb Monaten ist der SCR Altach deine sportliche Heimat. Wie hast du dich eingelebt im Ländle?

Sehr gut! Sowohl in unserem Verein, als auch die Menschen im Ländle, die ich bisher kennenlernen durfte, sind alle sehr zuvorkommend, hilfsbereit und in ihrer Art einfach menschlich. Das ist heutzutage nicht selbstverständlich. Grundsätzlich hat bisher alles bestens geklappt. Jeder gibt sich Mühe in der Umsetzung und alle sind lösungsorientiert. Kurzum: es macht Spaß beim SCRA und im Ländle.

Was waren deine ersten Gedanken, als dich Miroslav Klose gefragt hat, ob du ihn nach Altach begleitest? Hattest du den SCRA vorher schon mal auf deinem Radar?

Schon 2020, nach unseren zwei sehr erfolgreichen Jahren bei der U-17 von Bayern München war klar, dass ich Miro weiter als Assistenz-Trainer begleiten werden würde. Für mich stellte sich nicht die Frage, ob ich mit Miro mitgehen würde oder nicht, sondern wann und wo. Es ist ein besonderes Privileg mit diesem Menschen, dieser Persönlichkeit und der lebenden Fußballlegende so eng zusammenarbeiten zu dürfen.

Ich bin sehr fußballbegeistert und schaue mir sehr viele Spiele an. Natürlich kannte ich den SCRA, jedoch lediglich aus dem Fernsehen, aber dass wir beide Trainer in Altach werden würden, konnte keiner vorausahnen. Umso schöner ist es, dass es so gekommen ist, denn es passt alles sehr gut zusammen. In meiner Trainerkarriere war es oft so, dass ich Trainer von Mannschaften geworden bin die ich so gar nicht auf dem Radar hatte. Im Fußball sind gewisse Konstellationen oft gar nicht planbar.

Der Blick auf deine zurückliegenden Trainerstationen ist ein spannender. Du hast viel Erfahrung im Nachwuchsbereich, mit Tätigkeiten unter anderem bei Eintracht Frankfurt oder dem FC Bayern München, gesammelt. Dazu warst du Teamchef in Afghanistan und Nachwuchskoordinator beim chinesischen Spitzenklub Guangzhou Evergrande. Was konntest Du von den jeweiligen Stationen mitnehmen und welche dieser Stationen hat dich rückblickend am meisten geprägt?

Jede Station hatte etwas Besonderes und von jeder Station kann man immer gewisse Dinge mitnehmen. Dinge die gut sind bleiben haften, die „schlechten“ Dinge kann man für sich gewissermaßen ad acta legen.

Zu meiner Frankfurter Zeit (1999-2011) bin ich mit der jetzigen, sehr erfolgreichen Trainergeneration groß geworden. Thomas Tuchel (Chelsea FC), Christian Streich (SC Freiburg), Hannes Wolf/Edin Terzic (BVB) oder Pellegrino Matarazzo (VfB Stuttgart) um nur einige zu nennen – das waren alles meine Trainerkollegen von damals. Mit Jürgen Klopp hatte ich als Aktiver noch in einer Mannschaft zusammengespielt und seinen Sohn Marc trainiert, während Jürgen in Mainz Trainer wurde. Das hat mich damals alles schon sehr geprägt.

Beim FC Bayern München (2018-2022) habe ich gelernt, welchen Erfolgshunger, welche Akribie und Intensität man an jedem Tag leben muss, um jede Minute zu nutzen, um sich immer weiter zu verbessern. Es darf nie Zufriedenheit geben. Man ist vom „Mia San Mia“ so überzeugt, dass es ein Selbstverständnis ist, ein Spiel oder eine Meisterschaft zu gewinnen.

Guangzhou Evergrande (2016-2017) ist in China so etwas wie der FC Bayern in Deutschland. Ich war dort auch vorrangig Trainer der U-19 A und B Mannschaft. In China herrschen einfach andere Dimensionen in allem vor. Für diese beiden Mannschaften standen 7 Top-Rasenplätze und ein Kunstrasen, sowie ein Junioren-Stadion mit einem Fassungsvermögen von 30.000 Zuschauern zur Verfügung. Insgesamt gab es damals 105 Fußballplätze, ich glaube mittlerweile sind es 125 Plätze (lacht). Dazu waren im Internat 3.200 Nachwuchsspieler beheimatet.

Die Zeit als Nationaltrainer von Afghanistan (2015) hatte unfassbar viele Facetten. Es war nicht nur die Nationalmannschaft im sportlichen Bereich ein Thema, sondern vielmehr die politisch-instabile Lage und das damit verbundene Sicherheitsrisiko. Das war eine enorme Herausforderung in jeglicher Hinsicht. Insgesamt war es eine unglaubliche Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

Am ungewöhnlichsten mutet auf den ersten Blick, wie von Dir bereits geschildert, deine Rolle als Teamchef von Afghanistan an. Wie hast du den Fußball und das Leben dort wahrgenommen?

Afghanistan ist über Jahrzehnte lang vom Krieg gebeutelt. Die Bevölkerung ist sehr arm, aber mit einem großen Herz versehen. Viel Enthusiasmus, viel Nationalstolz und sicherlich viel Lebensfreude, die man aufbringen muss, um dort zu überleben. Die Grenzen, die Normen und die Normalität sind eine andere als bei uns. Ich bin auf eine völlig andere Kultur und ein völlig anderes Mindset getroffen. Die Nationalmannschaft ist heilig und der Stolz der Afghanen. Unsere Aufgabe war es wenigstens für 90 Minuten den Alltag vergessen zu machen und die Leute ein wenig glücklich zu machen. Der Fußball hat für die Menschen dort eine andere Bedeutung, als für uns Europäer.

2018 hast du beim FC Bayern München dann erstmals mit Miroslav Klose zusammengearbeitet. Wie kam es dazu?

Miro sollte beim FC Bayern Trainer werden und eine Mannschaft im Leistungsbereich übernehmen. Dafür hat er einen bzw. seinen Assistenten gesucht. Acht potentielle Co.-Trainer haben sich bei Miro vorgestellt, einer davon war ich. Miro hat sich dann für mich entschieden und mit dem FC Bayern alles Weitere geregelt, das war eine Sache von Minuten.

Mittlerweile sind wir natürlich Freunde geworden und haben hier im Ländle eine „fast WG“. Wir verstehen uns blendend auf und neben dem Feld, können uns jeweils auf den anderen verlassen und verbringen die wenige Freizeit auch gemeinsam. Da man 24/7 zusammen ist, ist es wichtig, dass die „Chemie“ passt.

Wie würdest du Miro als Trainer charakterisieren? Was macht ihn aus?

Miro hat die besondere Gabe, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. Als Mensch hat Miro einen sehr guten Charakter, ist ehrlich, hilfsbereit, fleißig, lernwillig, bodenständig und auch sehr lustig, mit einem speziellen Humor.

Miro ist ein unglaublich guter Trainer und Anführer, der den Fußball analytisch mit seinem unbegrenzten Fußballfachwissen in Einzelteile zerlegt und sich emotional in die Spieler hineinversetzen kann. Ferner kann er eine Mannschaft und den Staff sehr gut führen und gibt jedem das Gefühl, wichtig für das Team zu sein und bringt so jedem Einzelnen seine Wertschätzung entgegen. So gesehen kann man sich einen besseren Chef nicht vorstellen.

Miro hat die besondere Gabe, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen.

Slaven Skeledzic

Wie interpretierst du deine Rolle als Co-Trainer? Wo liegen deine Hauptaufgaben?

Miro gibt mir nicht das Gefühl, dass ich mich als „Co-Trainer“ fühle. Natürlich bin ich es und natürlich ist Miro der letzte Entscheider, aber dennoch tauschen wir uns permanent aus, legen unsere Argumente und Sichtweisen dar und entscheiden dann häufig zusammen. Unsere Denkweisen sind sehr identisch. Dennoch wird auch kontrovers diskutiert. In der täglichen Arbeit gibt es für mich somit keine Hauptaufgaben, wir machen alles zusammen. Zum Spiel hin ist Miro sehr in die Medienarbeit eingespannt und ich schaue, dass das Warm-up funktioniert und die Organisation klappt.

Wirklich viel Zeit bleibt in der Sommervorbereitung nicht: Trotzdem ist bereits zu erkennen, dass sich die Idee, wie Altach Fußball spielen soll, verändert hat. Wie fällt deine Zwischenbewertung nach den ersten drei Pflichtspielen aus?

Wir sind auf einem richtig guten Weg und wir kommen schneller voran als gedacht. Es ist ein steter Prozess, der nicht von heute auf morgen geht, aber die Fortschritte sind beachtlich. Die Mannschaft will das umsetzen, ist sehr lernwillig und reflektiert und hat einen guten Geist.

Wir haben immer noch Spielphasen, wo wir in „alte Muster“ verfallen, gleichzeitig aber immer häufiger und länger gute Aktionenphasen, wo wir das „neue Altach“ erleben. Das stimmt uns sehr zuversichtlich. Für uns ist es wichtig, jeden einzelnen Spieler im Detail besser zu machen und der Mannschaft die Überzeugung zu geben, jedes Spiel gewinnen zu können.

Es ist ein steter Prozess, der nicht von heute auf morgen geht, aber die Fortschritte sind beachtlich. Die Mannschaft will das umsetzen, ist sehr lernwillig und reflektiert und hat einen guten Geist.

Slaven Skeledzic

Am Sonntag kommt mit FK Austria Wien der Drittplatzierte der abgelaufenen Saison in die CASHPOINT Arena. Was für ein Spiel erwartest du dir?

FK Austria Wien ist eine sehr gute Mannschaft, mit interessanten und guten Spielern. Ich erwarte ein absolut knappes Spiel auf Augenhöhe, wo Kleinigkeiten entscheidend werden. Wir sind mit einer Niederlage gestartet, haben im letzten Spiel ein Unentschieden geholt und jetzt ist ein Sieg dran. Damit würden wir unsere Entwicklung auch vom Ergebnis her untermauern.

20.08.2022 | 17:00 Uhr | CASHPOINT Arena

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