Summer und die neue Situation der SPG
Der Cheftrainer der SPG Altach / Vorderland im Interview mit scra.at.
Der Cheftrainer der SPG Altach / Vorderland im Interview mit scra.at.
Als Glücksgriff kann die Re-Installation von Bernhard Summer als Cheftrainer der Frauenabteilung bezeichnet werden. Der mittlerweile 55-jährige Röthner führte damals den FFC Vorderland in die Bundesliga, nun absolvierte er mit seiner Spielgemeinschaft die beste Herbstsaison der Vereinsgeschichte. Im Interview spricht der Erfolgstrainer über die Entwicklung des Teams, über besondere Emotionen und das endgültige Saisonziel der SPG Altach / Vorderland.
Bernhard, erst einmal Gratulation zur Hinserie und dem tollen dritten Platz nach 9 Runden! Bei der besten Hinrunde in der Vereinsgeschichte kann man als Cheftrainer doch nur zufrieden sein, oder?
Vielen Dank und ja, ich freue mich sehr über die Leistungen in der Hinrunde und den dritten Tabellenplatz. Ich kann es jetzt schon kaum erwarten, dass es mit der Bundesliga im Frühjahr wieder weitergeht!
Wo hat dein Team im Vergleich zur Vorsaison den größten Entwicklungsschritt gemacht?
Ich denke wir haben uns auf den Positionen verstärk, auf denen wir am meisten Handlungsbedarf gesehen haben, die Defensive stabilisiert und viel Trainingszeit in die Passgenauigkeit investiert. Die Früchte dieser Arbeit sehen wir nun an den Wochenenden. Das Team steckt niemals auf und gibt bis zum Schlusspfiff 100%.

Dass für ganz oben noch ein paar Prozent fehlen, haben wohl die Niederlagen gegen Sturm und St. Pölten gezeigt. Wie kann man diesem Top-Duo mittelfristig noch näherkommen?
Meiner Meinung nach spielt der Faktor Zeit eine wichtige Rolle. Gegen Teams wie Sturm Graz oder St. Pölten darf man sich nur wenige Fehler erlauben und wir arbeiten akribisch an der Optimierung der Abläufe, das braucht seine Zeit. Allerdings ist der Fortschritt bereits jetzt schon zu sehen, wenn man bedenkt, dass unser Team dieses Frühjahr zweimal nacheinander quasi chancenlos gegen SKN gewesen war, in dieser Saison aber nur knapp am Punktgewinn gescheitert ist.
Die SPG hat sich letzten Sommer namhaft verstärkt. Welches Fazit ziehst du nach der ersten Halbsaison von Horvat & Co.?
Unsere Neuzugänge helfen uns definitiv fußballerisch weiter aber auch der Charakter der Neuzugänge war uns sehr wichtig. Die neuen Spielerinnen brachten regelrecht einen frischen Wind in die Kabine. Wir sind als Team zusammengewachsen und das macht uns in schwierigen Situationen stark.
Neue Stammkräfte in den eigenen Reihen zu haben, bedeutet gleichsam ein Stühlerücken innerhalb des Teams. Wie bist du mit Spielerinnen umgegangen, denen ein wenig der Rang abgelaufen worden ist?
Dies stellte diesen Herbst sicherlich ein großes Thema dar und jede*r weiß, wie frustrierend es sein kann, weniger Einsatzminuten zu bekommen. Jedoch mir war es immer ein großes Anliegen zu betonen, dass jede Spielerin wichtig ist. Auch heuer versuchte ich dies den Betroffenen in vielen Gesprächen zu vermitteln.
Mit Eileen Campbell und Maria Olsen stellt man aktuell das gefährlichste Sturm-Duo der Liga. Was macht die beiden in Kombination so stark?
Maria und Eileen bringen beide sehr viel individuelle Qualität mit auf den Platz. Meiner Meinung nach macht die beiden der Mix aus unterschiedlichen individuellen Fähigkeiten so stark. Eileen kommt vor allem durch ihr überragendes Tempo in Abschlusspositionen, währenddessen Maria auch gerne Mal aus der zweiten Reihe draufhält.

Ebenso lassen zwei erst 17-Jährige aufhorchen. Linda Natter und Emilia Purtscher spielen beide eine herausragende Saison trotz ihres noch jungen Alters. Wohin kann die Reise von Linda und Emilia noch führen?
Linda und Emilia spielen für ihr Altach schon auf sehr hohem Niveau und bringen ordentlich Energie auf den Platz. Für beide wird es wichtig sein, sich Zeit zu nehmen und nicht nach einer guten Saison abzuheben. Kontinuierlich Leistung bringen, sich in der ersten Bundesliga in einem Top-Team – wie wir es sind – zu etablieren und alles Weitere kommt dann von ganz alleine.
Sprechen wir noch übers Kollektiv. Zum Beispiel beim späten Siegtreffer in Kleinmünchen wurde der gelebte Teamspirit bei der SPG deutlich sichtbar. Um wie viel leichter fällt dir die Arbeit als Trainer, wenn der Zusammenhalt innerhalb der Frauschaft so gelebt wird?
So einen Moment zu erleben, ist für einen Trainer mit das Größte. Ich hab‘ mir die Szene mit voll aufgedrehtem Ton gefühlt 1000 mal angesehen, unbeschreiblich! In solchen Situationen ist auch von außerhalb gut zu sehen, wie wir als Einheit funktionieren. Dieser Zusammenhalt ist für mich und mein Trainerteam natürlich Gold wert.
Ich hab‘ mir die Szene mit voll aufgedrehtem Ton gefühlt 1000 mal angesehen, unbeschreiblich!
Bernhard Summer
Der Spaß darf natürlich nie fehlen! Ihr seid ja des Öfteren mit langen Busreisen konfrontiert. Ist dir diese Saison eine Reise besonders in Erinnerung geblieben?
Die Busfahrten zählen aus meiner Sicht zu den weniger schönen Dingen, aber wir wissen uns zu beschäftigen. Schlafen, TV schauen, Fachsimpeln und Analysieren, Lesen und neuerdings vertreiben wir uns mit Kartenspielen die Zeit. Die richtig spaßigen Aktivitäten finden eigentlich allesamt außerhalb des Reisebusses statt.
Die Winterpause naht. Ein Pflichtspiel im ÖFB Cup steht noch auf dem Programm. Alles andere als ein Weiterkommen gegen Zweitligisten SPG Geretsberg / Bürmoos wäre wohl eine herbe Enttäuschung?
Wir werden alles geben, um weiterzukommen und das Spiel nicht auf die leichte Schulter nehmen.
In der Liga hält man aktuell Platz 3 inne. Kann das Saisonziel darauf definiert werden, diese Position zu halten und weiterhin Attacken nach vorne zu starten?
Den 3. Platz zu halten ist ein großes Ziel, wird aber definitiv kein Spaziergang. Wir gehen mittlerweile als Favorit in Spiele gegen die Vienna, Austria Wien, Neulengbach etc., die Erwartungshaltung steigt und der Druck, der auf dem Team lastet ebenso. Wir müssen lernen mit der gänzlich neuen Situation umzugehen. Wenn wir unseren Weg kontinuierlich weitergehen, dann können wir noch vieles erreichen in dieser Saison.
