Campbell bei ihrem letzten Streich gegen Südburgenland

1.  Eileen, ganz zu Beginn eine klärende Frage! ÖFB.at führt dich als Engländerin, Wikipedia behauptet das Gegenteil. Was stimmt denn jetzt nun?

Es ist beides nicht gelogen. Ich war bis vor kurzem sogar Triple-Staatsbürgerin, da ich aufgrund meiner Nordirischen Herkunft und dem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU sowohl den irischen, englischen als auch österreichischen Pass hatte. Allerdings haben mich da einige Gesetze dazu gezwungen, mich zu entscheiden und somit bin ich seit letztem Jahr auf dem Papier „nur“ noch Österreicherin.

2. Kommen wir zum Sportlichen: Die Frühjahrsaison ist voll im Gange. Sieben Pflichtpartien sind bereits absolviert. Dabei konnte man das ÖFB-Cup Halbfinale erreichen und in der Liga holte man zuletzt zehn Punkte aus fünf Spielen. Was läuft aktuell besser als im Herbst?

Ich denke, wir haben mittlerweile als Team besser zusammengefunden. Es wurde viel Neues ausprobiert, was natürlich einiges an Zeit beansprucht zu adaptieren. Die letzten Partien haben gezeigt, dass wir als eingespielte Mannschaft agieren und dies bringt uns auch ergebnistechnisch weiter. Diesen Erfolgslauf dürfen wir aber auf keinen Fall als selbstverständlich ansehen und so müssen wir sicherlich alles daransetzen, dass das auch in Zukunft so bleiben wird.

3. Mit Bernhard Summer steht mittlerweile auch ein neuer Trainer an der Seitenlinie. Er hat zu Beginn seiner neuerlichen Amtszeit gemeint, dass er euch auf besseres Niveau im physischen Bereich bringen möchte. Ist das gelungen? Wenn ja, wie?

Unser Trainerteam legt sehr viel Wert auf unsere physische Verfassung. Wir hatten eine sehr intensive Vorbereitung und haben auch in den Trainingseinheiten eine recht hohe Belastung. Man sieht sehr wohl bei unseren Werten beim Trackingsystem, dass sich das bewährt hat. Die Anzahl der Sprints und Kilometer hat sich vervielfacht. Nichtsdestotrotz gehört zur Leistungssteigerung auch die passende Regeneration, die uns in Form von Physiotherapie, Massagepistolen, Recovery Boots etc. und vor allem der optimalen Infrastruktur/Trainingsanlage in Altach gewährleistet wird.

Meiner Meinung nach sollte man auf der Position spielen, wo man gebraucht wird.

Eileen Campbell

4. Auch an der Taktiktafel wurde umgestellt. Du agierst nun vorwiegend als Stürmerin und wirst diesem Namen auch gerecht: Sechs Tore in den letzten fünf Spielen. Um wie viel wohler fühlst du dich ganz vorne als auf der Position der Außenverteidigerin?

Ich bin auf jeden Fall froh, wieder als Stürmerin aufzulaufen und meine Mannschaft in Form von Toren, Assists und gelungenen Offensivaktionen zu unterstützen. Meiner Meinung nach sollte man auf der Position spielen, wo man gebraucht wird, aber ich denke, dass ich persönlich als Offensivkraft der Mannschaft mehr von Nutzen sein kann als in der Defensive. Es hat seine Zeit gebraucht, mich wieder an diese Position zu gewöhnen, aber ich denke dennoch, dass es mir recht gut gelungen ist und das darf natürlich auch so bleiben.

5. In der Liga greift man nach dem fulminanten 1:5 in Neulengbach und dem 7:1 Heimerfolg über den FCS die obere Tabellenhälfte an. Ist dies das ausgerufene Ziel des Teams, denn man hat ja weder mit dem Abstiegskampf noch mit der Tabellenspitze etwas zu tun?

Wir haben im Herbst oftmals Punkte verschenkt, welche wohl in der Endabrechnung tabellarisch fehlen werden. Wir konnten unsere individuellen Stärken oftmals nicht in eine Mannschaftsleistung ummünzen, was uns im Endeffekt viel gekostet hat. Natürlich will man immer weiter nach oben, woran wir auch ständig arbeiten. Es werden meiner Meinung nach zu oft voreilig Ziele gesetzt. Gerade in Zeiten wie diesen, kann man nie wissen was auf einen zukommt. Man sollte immer die Spitze anstreben und aus seinen Gegebenheiten das beste machen. Ich traue mich zu sagen, dass wenn wir unseren derzeitigen Kampf, Ehrgeiz und Arbeitswillen über einen längeren Zeitraum beibehalten, für uns am Ende der Saison ein würdiger Tabellenplatz rausspringen wird.

6. Die SPG ist ja als langfristiges Projekt ausgerufen worden. 2024 übernimmt der SCR Altach dann den kompletten Frauenfußballbereich. Was denkst du, was hier im Rheindorf noch entstehen kann?

Ich denke, dass es mit dem Frauenfußball stetig bergauf geht und genau durch solche Projekte, welches wir auch in Altach vorfinden, gefördert wird. Der SCRA geht als gutes Beispiel voran und steigert somit die Reputation und die Außenwirkung unseres Sportes. Es werden immer häufiger Spiele in großen Stadien gespielt, ständig mehr Profivereine gründen eine Frauenfußballabteilung wie gerade letzthin der LASK und die Anzahl an Zuschauern bei den Spielen steigt. Ich denke, ich kann für alle Frauen/Mädchen in jedem Alter sprechen, wenn ich sage, dass es schön ist mitanzusehen, wie das Interesse am Frauenfußball fortlaufend zunimmt und somit auch etliche Vorurteile ausgeräumt werden können.

7. Mitte Mai bereits steigt dann wohl das Spiel der Saison: Im Cup-Halbfinale trifft man zu Hause auf den österreichischen Dominator St. Pölten. Kann man diese Partie als wichtigste in deiner Karriere werten und was erwartest du dir von diesem Pokalspiel?

Dieses Cup-Spiel wird uns sicher alles abverlangen, aber ein Weiterkommen ist meines Erachtens kein Ding der Unmöglichkeit. Wir müssen über uns hinauswachsen, wachsam sein und unser gewohntes Spiel spielen. Entscheidend wird sein, defensiv kompakt zu stehen und unsere Chancen so gut wie möglich zu nutzen. Dieses Ereignis gibt selbstverständlich jeder Spielerin, inklusive mir, nicht nur die Möglichkeit sich zu zeigen, sondern sich auch zu beweisen. Ob es das wichtigste Spiel in meiner Karriere ist, ist schwer zu sagen, aber es kann auf jeden Fall zu einem der unglaublichsten Momente werden. Der SKN dominiert die Liga seit Jahren und hat die letzten Jahre auch das Cup-Finale für sich entschieden – in diesem Punkt sind wir weniger erfolgsverwöhnt, aber deswegen wollen wir es umso mehr. Wir werden alles geben, um die Sensation zu schaffen und ins Cup-Finale einzuziehen.

8. Rücken wir zum Abschluss noch den internationalen Frauenfußball in den Fokus. Dieses Jahr findet mit der EM erneut ein Großereignis mit österreichischer Beteiligung statt. Vor 5 Jahren löste das Abschneiden unseres Nationalteams einen richtigen Hype rund um den Frauenfußball aus. Hofft man als Spielgemeinschaft nun auf denselben Effekt, um zukünftig noch mehr Zuschauer in der CASHPOINT Arena begrüßen zu dürfen?

Natürlich ist es unser Bestreben, Außenstehenden zu zeigen, dass auch wir Frauen Fußball spielen können. Wir leisten täglich extrem viel Arbeit und es ist eines der schönsten Gefühle, wenn dies auch außerhalb vom Verein Anerkennung findet und von den Leuten geschätzt und bestaunt wird. Im Vergleich zu den Anfängen im Vorarlberger Frauenfußball, hat sich bereits einiges getan, sowohl in der fußballerischen Entwicklung, als auch bei den Zuschauerzahlen. Wir hoffen sehr, dass wir dazu beitragen können, den Sport attraktiver zu machen und sind um jeden Fan froh, welchem wir das unter Beweis stellen können. Dankenswerterweise spielen wir in einem Verein, der mit Events wie beispielsweise dem Doppelspiel am 7. Mai sehr viel dazu beiträgt, dass wir gesehen werden und unsere Freude am Spiel teilen dürfen.

9. Volle Stadien sind im Frauenfußball längst keine Ausnahme mehr: auch das Eröffnungsspiel der Euro wird im Old Trafford vor über 70.000 über die Bühne gehen. Die Akzeptanz steigt also stetig. Was für eine Rolle kann die SPG einnehmen, dass diese Entwicklung auch in Vorarlberg vorangetrieben wird?

Mit der stetigen Werbung, welche bereits betrieben wird, wird dem Frauenfußball schon vielmehr Aufmerksamkeit entgegengebracht als in den vorigen Jahren. Altach hat einen Namen, welcher uns sehr entgegenkommt. Auch das bevorstehende Doppelspiel, wird hoffentlich viele Zuschauer animieren im Stadion zu bleiben und uns zu unterstützen.